
Das Gut Raadi existierte schon Mitte des 16. Jahrhunderts. Damals gehörte der Gutshof dem Rat der Stadt Tartu. Der Gutspark Raadi ist eine der am besten gestalteten Parkanlagen in der Geschichte der estnischen Gutsparks. Der Entwurf stammt von dem preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné.
Der Park befindet sich im Nordosten der Stadt, am Südwestufer des Raadi-Sees. Der Park grenzt im Nordosten an den See, im Südosten und Südwesten an eine ehemalige Tongrube und im Nordwesten an die Landstraße nach Narva. Das den Park umgebende Gebiet ist eine sanft gewellte Moränenebene, die durch das das Urstromtal des Emajõgi verläuft. Das Gebiet gehört geologisch zum südost-estnischen Tafellandgebiet. Das Bodenrelief des Parks ist eben; am Rand fällt er stark zur ehemaligen Tongrube von Raadi ab.
Unter Schutz steht der frei gestaltete sog. untere Park (Arboretum), der verhältnismäßig gut gepflegt und artenreich ist sowie der Teil des oberen Parks, der See und Arboretum miteinander verbindet und von regelmäßiger Gestalt ist. Das Arboretum Raadi wurde ab 1923 auf einer neben dem Park gelegenen Brachfläche angelegt. 1925 begann man mit intensiven Anpflanzungsarbeiten, die unter der Leitung von Prof. A. Mathiesen standen. Bis zum Jahr 1940 waren 2900 Bäume und Sträucher gesetzt (400 Arten und Unterarten), aber in Folge von kalten Wintern und Sorglosigkeit ist der größte Teil der Nadelbäume sowie ein Drittel der Laubbäume und Sträucher abgestorben.
Heute sind im Park nur wenige gesunde Bäume des ursprünglichen Bestands erhalten geblieben.
Der Gutspark Raadi ist eine der am besten gestalteten Parkanlagen in der Geschichte der estnischen Gutsparks. Der Raadi-Park ist der älteste, bis heute erhaltene Park mit quadratischer Raumaufteilung und stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die Terrassen und Treppenaufgänge im italienischen Stil verbanden sich harmonisch mit dem von dem bekannten deutschen Landschaftsarchitekten P.J. Lenné in der Mitte des 19. Jahrhunderts gestalteten Landschaftspark. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fanden tief greifende Umgestaltungsarbeiten statt. Dem Park wurde unter anderem durch Treppenaufgänge, Balustraden, Gartenvasen mehr Ausdruck verliehen. M.v. Sievers gestaltete die Terrassen.
Seit 1925 gehörte ein Teil des Gutes zur Landwirtschaftsabteilung der Universität. In der Folgezeit wurde unter Leitung von Prof. Mathiesen auf einer neben dem Park gelegenen Brachfläche zu Ausbildungszwecken ein Arboretum angelegt.
Baumkunde
Der historische Teil des Raadi-Parks ist von mittlerem Artenreichtum. Die hauptsächlich vertretenen Baumarten sind die Winterlinde (Tilia cordata) und die europäische Linde (Tilia x europaea), der Anteil an Nadelgehölzen ist gering; Sträucher finden sich vor allem am Rand des Parks. Der untere Teil des Parks (Arboretum) ist sehr artenreich, aber auch hier sind nur wenige Nadelgewächse erhalten geblieben. Die interessanteren Arten sind dabei die Breitblättrige Drehkiefer (Pinus contorta var. latifolia) und die Biegsame Kiefer (Pinus flexilis).
Bei den Laubbäumen verdienen Beachtung der Zuckerahorn (Acer saccharum), die Weißesche (Fraxinus americana), die Oregon-Esche (Fraxinus latifolia), die Amerikanische Hopfenbuche (Ostraya virginiana), das Amur-Gelbholz (Maacia amurense), die Ölbaumblättrige Birne (Pyrus elaeagrifolia), die Kaukasische Eiche (Quercus macranthera), die Traubeneiche (Quercus petraea), die Schwarzmeerlinde (Tilia dasystyla) sowie die Türkische Hasel (Corylus colurna).
Interessante Sträucher sind die Aufrechte Waldrebe (Clematis amurense), die Kornelkirsche (Cornus mas), der Kansas-Weißdorn (Crataegus coccinoides) und andere Unterarten des Weißdorns Crataegus x langei, Crataegus russanovii, Crataegus x schneideri) sowie der Bunge-Spindelstrauch (Euonymus bungeanus). Auffallend groß und alt ist die im Ostteil des Parks wachsende Amurrebe.(Vitis amurense).



















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